10. Juli 1760 Schlacht bei Korbach im Siebenjährigen Krieg

Anlässlich des 250. Jahrestages der Schlacht bei Korbach richten die Kanoniere der Formation Sankt Barbara ein Manöver mit den befreundeten Geschützgruppen aus. Was ist damals in unserer Stadt passiert?

Ursache des Krieges

Friedrich II. (24.01.1712 - 17.08.1786)Auslöser und Motor des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) waren die weltweiten Machtinteressen der damaligen europäischen Großmächte. Auf der einen Seite schlossen sich Preußen, die protestantischen Kleinstaaten und Großbritannien zusammen, auf der anderen Seite entstand eine Allianz aus Österreich, das sich als Hüter des Heiligen Römischen Reichs fühlte, Frankreich und Russland. Preußen hatte in den schlesischen Kriegen die wohlhabende österreichische Provinz Schlesien annektiert, Österreich setzte alles daran, seine Besitzungen zurückzubekommen und suchte dafür Verbündete. Russland hatte großes Interesse an Ostpreußen mit seinen Häfen an der Ostsee und an den polnischen Gebieten im heutigen Litauen. Das in Personalunion mit Großbritannien verbundene Kurfürstentum Hannover wurde zum Gegner Frankreichs, das sich mit England auf dem nordamerikanischen Kontinent und in Indien bekämpfte. Am Ende des Krieges wurde Preußen als kontinentale Großmacht akzeptiert, Frankreich verlor seine Besitztümer in Nordamerika und den Einfluss in Indien, England wurde für lange Zeit die führende Seemacht.

Was bedeutete das Machtgerangel für das Fürstentum Waldeck und die Stadt Korbach?

Gedenkstein auf Hartmanns BäumchenWährend der Preußenkönig Friedrich II. (Bild oben) in Brandenburg, Sachsen und Schlesien kämpfte, mühte sich Herzog Ferdinand von Braunschweig (Bild links) auf den Ferdinand von Braunschweig (12.1.1721 - 3.07.1792)westlichen Kriegsschauplätzen, so auch in und um Waldeck herum. In den ersten Jahren blieb Korbach von den Auseinandersetzungen verschont, es kam nur zu gelegentlichen Durchmärschen von Franzosen, Hessen, Sachsen und Braunschweigern. Das sollte sich im Juni 1759 ändern. Zwei französische Heere mit 70.000 Soldaten marschierten vereint von Sachsenberg kommend in Korbach ein. Während die Truppen vor den Toren der Stadt ihre Lager aufschlugen, hatten die Bürger innerhalb der Mauern 56 Generäle samt Gefolge, Tross und Marketenderei zu beherbergen. In den Straßen brannten überall Kochfeuer, die Kümpe und Teiche wurden ausgeschöpft. Gärten und Wiesen wurden geplündert, die Felder abgeerntet. Als die Franzosen abzogen, atmeten die Korbacher erleichtert auf, doch nur 2 Monate später trafen die Truppen der Herzöge von Holstein und von Braunschweig ein, die unerträglichen Umstände wiederholten sich. Nach dem Abzug der Alliierten wurde Korbach für Monate verschont, einzig ein Vorratsmagazin wurde angelegt und bewacht. Im Juli 1760 spitzte sich die Situation in Korbach zu. Die vereinigten Truppen der Herzöge hielten Korbach besetzt, während sich zwei französische Korps vor der Stadt vereinigen wollten. Um das zu verhindern, rückte Herzog Ferdinand von Braunschweig nach Sachsenhausen vor, dem Feind entgegen. Währenddessen wurde Korbach von den Franzosen eingenommen und das Magazin geplündert. Die zurückkehrenden Alliierten vermuteten eine große Übermacht und wurden durch englische Einheiten verstärkt. Bei den anschließenden Auseinandersetzungen am 10. Juli verloren ca. 1000 Deutsche, Franzosen und Engländer ihr Leben. Frankreich ging an diesem Tag als Sieger hervor. Als sich am Folgetag die französische Hauptmacht Korbach näherte, sank die Stimmung der Bewohner auf den Tiefpunkt. Die Kilianskirche wurde in ein Lazarett für 500 Verwundete aller Nationalitäten umgewandelt. Genauso erging es dem Gymnasium, dem Rathaus und vielen Privatwohnungen. Die Gefallenen wurden gemeinsam vor dem Enser Tor begraben. Ein Gedenkstein auf Hartmanns Bäumchen erinnert heute an diesen Tag. 

Im weiteren Verlauf des Krieges litt Korbach weiterhin sehr durch französische Requirierungen und Einquartierungen. Die Truppen rissen für den Bau Ihrer Feldbäckereien den Butterturm und die Stadtmauer zwischen dem Tränketor und dem Dalwigker Tor ein. Für die Dächer wurden u.a. die Ziegel des Gymnasiums und des Brauhauses verwendet. Durch die Verwüstungen auf den Feldern wuchs das Elend des Ackerbaustädtchens unermesslich an. Allein im Jahr 1761 wurden 22 verschiedene Korps innerhalb der Stadtmauern gezählt. Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages am 10. Februar 1763 war die Erleichterung in Korbach so groß, dass ausgiebige Dankesfeste noch Wochen später gefeiert wurden. Die Schützengilde zog durch die Stadt und feuerte vor dem Hause des Bürgermeisters Strube Freudensalven ab. Bis in unsere Gegenwart ist solches Leid nicht mehr über die Stadt gekommen.

 

teilweise entnommen von: Wolfgang Medding – Geschichte einer deutschen Stadt